Der SEEROSEN-WEG

Der SEEROSEN-WEG

lotus-1889735_1280violettUnter Deinem tiefsten Trauma wartet Dein größtes Potenzial auf Dich 

Wie Du innere Freiheit und inneren Frieden durch Neubetrachtung erlangen kannst, dabei mentale Stärke aufbaust und Deinen Lebensweg besser erkennst.

lotus-2528456_1280Eingebettet in modrigen kaum Halt bietenden dunklen Morast wächst das Wurzelrhizom und an bis zu drei Meter langen Stängeln erhebt sich über diese trüben Schlammgewässer die Lotusblüte.

Lotus, die Blume des Buddha, ist ein hochverehrtes Symbol für Reinheit und Erleuchtung.

Traditionell bietet der Lotus in Asien Opfergaben, Medizin und Speise. Die aus den hauchdünnen Stängelfasern gewonnene Seide ergibt einen der teuersten Stoffe der Welt und bis vor kurzem durfte dieser „Textildiamant“ in der ostasiatischen Welt nur von Buddha-Statuen und buddhistischen Mönchen getragen werden. An den Lotusblättern perlt selbst aggressiver chemischer Kleber ab ohne irgendwelche Spuren zu hinterlassen und dieser in der siebziger Jahren beschriebene Lotuseffekt wird heute an industriellen Oberflächen nachgeahmt.

Ich hab mir auch schon oft so eine „Teflonschicht“ für meine Seele gewünscht, ganz zu schweigen von dieser Transformationskraft. Durch Stoffwechsel entsteht aus Fäulnis perfekte Schönheit. (Wobei es sich bei Fäulnis bzw. Schönheit hier natürlich um menschliche Zuschreibungen handelt. Für die Schöpfung handelt es sich wohl lediglich um ein Gleichgewicht.)

Stoff-wechsel, Aus-einander-(und wieder-zusammen)-Setzung. Ein Stoff wird in einen anderen umgewandelt,   transformiert.

Unser Körper vollzieht dies ganz natürlich Tag für Tag. Er wandelt Nahrungsmittel um in Lebensenergie und Gewebe, Gedankenprozesse und Hormonausschüttungen und vieles mehr. Alles, was ihm nicht mehr dient, wird ausgeschieden. Auch unsere Seele kann „Sch…lechte“-Erfahrungen zu Entwicklungssprüngen und Weisheit transformieren, unbrauchbar Gewordenes aussortieren und loslassen.

 

lotus-1889735_1280violettDie aus unseren Erfahrungen gewonnenen inneren Überzeugungen bestimmen unser Leben.

woman-2944070_1280Das, was sich uns da eingebrannt hat, was wir denken und was wir erinnern, ist wahr und doch nicht die ganze Wahrheit!

Der aktive Teil einer Erfahrung ist immer ent-scheidend: die innere aktive Entscheidung, WIE WIR DAMALS diese Erfahrung bewertet und abgespeichert, welche Schlüsse und Verhaltensmuster wir daraus abgeleitet hatten!!!

Leiden entsteht, wenn wir Glaubenssätze gegen uns entwickeln. Wenn wir den Grund für schreckliche und tragische Ereignisses in unserer Schuld und Minderwertigkeit sehen.

 

lotus-1889735_1280violettLeiden entsteht aus einer Logik, die sich gegen Dich selbst richtet

Kinder tun dies oft reflexhaft und geben sich in ihrer Ohnmacht selbst die Schuld. (Ist ja klar, von den Erwachsenen hängt noch die eigene Existenz ab und sie sind deshalb als Gegenüber unangreifbar.) Später versuchen wir uns von diesen für uns hemmenden bis destruktiven inneren Überzeugungen zu befreien und leisten heftige Kraftanstrengungen für den Wunsch unser Leben unbeeinträchtigt fortzusetzen.

reality-2426203_960_720Dabei kämpfen wir gegen uns selbst (Süchte, Zwänge, Überanpassung usw.), gegen die Situation (Verdrängung, Vermeidung, Wunsch, es wäre nie geschehen usw.) und gegen die Verursacher (Vorwürfe, Ablehnung).

Neben berechtigten Schuldzuweisungen wird oft der ganze Mensch als schlecht, gemein und boshaft verurteilt, und zwar umso vehementer je tiefer der eigene Selbsthass sitzt. Die Täterperson wird auf die negative Handlungsdimension reduziert. Wir lenken die Selbstanklage, die damals von UNS empfundene Schuld und Minderwertigkeit, nun anklagend zum (vermeintlichen) Verursacher zurück. Der Selbsthass wird als Anklage zurückzugeben. Der Hass zirkuliert weiter und befindet sich mal mehr auf der „Ich-Seite“, mal mehr auf der „Anderen-Seite“; wirkt mal mehr nach Innen gerichtet, mal mehr nach Außen.

 

lotus-1889735_1280violettWie kann der Hass, gegen sich selbst und gegen die Verursacher, überwunden werden?

Die immer gleiche „Nabelschau“ untermauert nur die Negativerfahrung aus vergangenen Ereignissen und ist meiner Meinung nach kontraproduktiv. Es verfestigt den Opferstatus und hält uns in unserer (kindlichen) Ohnmacht gefangen. Wir bleiben abhängig. Wir haben verstanden, dass es keine Wiedergutmachung geben kann, aber wir leiden weiter, wenn der/die Verursacher ihre „Schuld“ oder Verantwortung uns gegenüber nicht eingestehen (kann). Wütend und enttäuscht kann man wieder und wieder an dieser Festung, an diesen Mauern, zerschellen, sich aufreiben usw..

Es muss zumindest eine Neubetrachtung dazu kommen, ein Verstehen* für alle Beteiligten, warum jedeR seine/ihre Entscheidungen und Taten so gewählt hat. * Mit Verstehen meine ich hier NICHT!!! Kleinreden oder Vergebung geschehenen Unrechts! Dieses Verstehen beziehe ich auf eine erweiterte Betrachtung zu den individuellen Bedingungen und Voraussetzungen, in die die Geschehnisse eingebettet waren. Übergriffiges, verletzendes, respektloses und schädigendes Verhalten bleibt übergriffig, verletzend, respektlos und schädigend! Aber der Blick geht weiter hinter die Kulissen, hin zu den Zwängen, falschen Entscheidungen, seelisch-geistigen Voraussetzungen der „Täter“.

 

lotus-1889735_1280violettEs ergibt sich eine Logik IHRER Zwänge und Beweggründe und ersetzt die Logik, dass es gegen Dich gerichtet war.

Es gilt auf einen inneren Aufschluß hinzuarbeiten und quasi das Wunder der Neubetrachtung, eine Veränderung der Wahrnehmung, zuzulassen.

Um sich dann herauslösen zu können und endlich „frei“ zu sein, das jetzige Leben von der damaligen Erfahrung nicht mehr bestimmen zu lassen, Abschied zu nehmen und die Erfahrung „so sein zu lassen wie sie war“.

Vor allem vergangen und nicht mehr aktuell!

Es ist wie mit cholerischen oder narzisstischen Menschen. An denen kann man auch nicht rumdoktern. Man kann sie nur so sein lassen, wie sie sind, und das eigene Leben unabhängig und unbeeindruckt von ihnen, ihren Ausbrüchen und Manövern weiterleben.

Ist die eigene innere Position zu ihnen geklärt und zwar NICHT mit Verurteilung!, wohl aber mit der Anerkennung, dass ihr Verhalten destruktiv ist, werden Erleben und Kommunikation viel klarer. Es fällt wesentlich leichter das Verhalten und seine Folgen direkt und klar anzusprechen als sich in pauschalen Aussagen zu verstricken, die viel Interpretationspielraum (für persönliche Verletzungen) bieten oder tendenziell verletzend auf die Person (und nicht auf ihre Worte und Handlungen) abzielen.

Der Vergleich hinkt ein wenig, da man solchen Menschen u.U. auch aus dem Weg gehen kann ….den eigenen Erfahrungen nicht. Trotzdem hoffe ich, dass Dir dieses Beispiel vermittelt, worum es mir geht.

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You’ve got shit and you rolotus-1889735_1280violettse it ! 

Erst die Selbstklärung, die Wahrnehmung, Anerkennung und Meisterung unserer  eigenen inneren Situation. Dann die Erweiterung nach Außen und dortige Klärung gekoppelt an die Einsicht, was Du selbst in Deiner Verzweiflung und Ohnmacht „den Dingen nicht gewachsen zu sein“ mit Deinen Bewertungen zur inneren Verletzung beigetragen hattest.

 

lotus-1889735_1280violettVerstehen löst den Hass  .. und setzt den Weg frei, die Aufgabe

 

Dazu möchte ich zwei Kapitel aus meinem Leben mit Dir teilen :

Nach der Geburt bekam ich von meiner Mutter ein Spreiz“kissen“, eine mit Binden umwickelte Metallplatte, verpaßt und  wurde ständig abgelegt. Meine Mutter wollte mich nicht verwöhnen und selbst das tröstende Schaukeln am Kinderwagen empfand sie als negativ. Als Kleinkind wurde ich in meinem Gitterbett fixiert. Rechts und links befestigt konnte ich ausschließlich sitzen. Das Beugen der Arme und damit das Daumenlutschen war durch Pappschienen, in denen damals Glühbirnen verkauft wurden, blockiert. Meine Mutter litt unter ihren schiefen Zähnen und wollte hier besser acht geben auf mich als ihre Mutter es vermocht hatte. Zur Beruhigung gab es für mich einen Nuckel, während im Wohnzimmer mit Gästen in gemütlicher Runde zusammen gesessen und gespeist wurde.

Bei den sozialistischen Körpervermessungen in der ersten Klasse wurde ich für eine eventuelle Tanzkarriere ausgewählt. Mein Herz war aufgeregt und glücklich. Meine Mutter sagte trotz meines Einser-Zeugnisses nein. Sie wollte nicht, dass mein Rücken mit 30 kaputt sei. Ich war 6 Jahre alt und die Tanzschule am anderen Ende der Stadt, 5 km entfernt.

lotus-1889735_1280violettWas habe ich daraufhin der Welt gegeben? Nun, ich habe mehrere Anläufe gebraucht, aber schließlich mit der Geburt meiner ersten Tochter eine kontinuierliche Tanzausbildung angefangen und 4 Jahre später parallel begonnen, selber Tanzkurse für Frauen anzubieten. 4 weitere Jahre hatte ich eine kleine Tanzgruppe aufgebaut, die es heute noch gibt. Selbst noch einige Jahre nachdem ich nach Frankreich gezogen war und für die Gruppe eine neue Lehrerin gefunden hatte, höre ich von meinen ehemaligen Tanzfrauen, dass sie auch im Alltag die eine oder andere Anregung von mir beherzigen.

Während der ersten zarten Knospen meines eigenen erwachenden (Frauen-)Lebens mußte ich mein Zimmer mit meiner langsam dahinsiechenden und sterbenden Oma teilen. Wir waren über ein Jahr zwangszusammengepfercht worden und konnten uns am Ende auch nicht einmal von einander verabschieden. Ich blieb von allem ausgeschlossen, nur ihre physische Präsenz durfte und hatte ich zu ertragen.

Wie meine Oma es wohl empfunden hat, ausgerechnet im Zimmer eines jungen Mädchens, das noch sein ganzes Leben vor sich hat, zu sterben, ist neben allem, was mich betrifft und beschäftigt, auch eine sehr berechtigte Frage!

Zu den grotesken Bildern und Gerüchen hatte sich eine gewisse Winterstarre in mein Leben eingebrannt. Ich kam bildlich gesprochen über einige zarte Frühblüher nicht hinaus, obwohl ich ständig Kälte, Dunkelheit und Anstrengung trotzend die volle Mobilisierungsarbeit für den Aufbruch leistete.

Sieben Jahre später ähnelte mein Frauenkörper dem meiner todkranken Großmutter. Ich fror, ich hungerte, ich überanstrengte mich ständig, schlief kaum und rannte dem Leben hinter(!)her, ständig vom Gefühl begleitet, dass ich schon alles verpaßt hätte und es kaum noch gute Aussichten in meinem Leben gäbe. Zu spät, zu spät!! Alles schien schon unwiederbringlich verpaßt und zu spät. Keine noch so große Anstrengung konnte verlorene nicht genutzte Chancen zurückbringen.

Mit 21 kam der Zusammenbruch – Eiter überall im Körper und nur noch Mut zum Sterben. Ich ging in eine Klinik. In meinem Körper und in meiner Seele wüteten Kämpfe!

lotus-1889735_1280violettNun, noch einmal 21 Jahre später und schweren rezidivierenden Depressionen, streife ich diese alte Haut endlich ab und verstehe das tiefe Frauenleid meiner Mutter, ihrer Schwester und meiner Oma ausgelöst durch Krieg, Vertreibung und Flucht. Ich verstehe aus tiefstem Herzen, dass sie ihr Bestes gegeben haben und all ihre „unbedachten“ und scheinbar gefühlskalten Akte mir gegenüber einer Unfähigkeit und dem Wunsch  entsprungen waren, mich vor diesem in ihnen lebendigen Grauen zu schützen. Ich kann es jetzt so sein lassen wie es war. Ich muss es nicht mehr mit gut oder sogar böse, mit liebevoll oder lieblos bewerten. Ich anerkenne meine Erfahrungen (des Hungerns und Frierens in dieser Familie). Aber ich anerkenne auch ihren Lebensweg und ihre Bemühungen. Beides. Ich verstehe, dass ihr Handeln AUS IHRER Geschichte und ihrer Gefühls“balance“ entsprungen ist und NICHT aus meiner Minderwertigkeit etc. etc. .

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Ich habe gelernt, dass oft Dinge sind wie sie sind, dass wir nicht unbedingt an ihnen rütteln müssen im Sinne von Verändern, Wiedergutmachen, Auslöschen und dgl..

Oft verlangt es lediglich eine Geste das Schweigen zu beenden, Ereignisse und ihre Auswirkungen anzuerkennen, ihnen überhaupt einen Platz einzuräumen! (Ohne das Grausame als nicht mehr grausam zu leugnen!) 

Eine sinnvolle Seelenarbeit für uns selbst und unsere engsten Vertrauten, die Menschen in unserem Umfeld und nicht zuletzt für den Frieden überhaupt.

In meine Seele ist dieser Frieden eingekehrt. Ich fühle mich stark DURCH meine Eltern und Großeltern und nicht länger von ihnen geschwächt. Ich gehe mutig durch mein Leben, weil ich einerseits weiß, was mensch alles überleben und ertragen kann; und andererseits daraus direkt ableite, WAS wir alles schaffen können!!

 

Ich wünsche Euch allen aus tiefstem herzHerzen diesen Seelenfrieden und den Mut, verständnisvoll hinter die schweren Vorhänge des Leidens zu schauen!!!

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